Entwicklung der Lebenserwartung und Abweichungen in der Sterblichkeit von Ruheständlern in Luxemburg
Cellule Scientifique
Publié le 31.07.2026 à 16h06
Mis à jour le 31.07.2026 à 16h06
Eine demografische Analyse der Langlebigkeit von Ruheständlern zwischen 2000 und 2024
Note scientifique
- Die vorliegende wissenschaftliche Abhandlung untersucht die Entwicklung der Langlebigkeit von Ruheständlern in Luxemburg sowie die Abweichungen in der Sterblichkeit, die zwischen 2000 und 2024 auf Basis zweier unterschiedlicher, einander ergänzender Quellen beobachtet wurden: der Human Mortality Database (HMD), die zum internationalen Vergleich herangezogen wurde, und der Luxembourg Microdata Platform on Labour and Social Protection (LMDP), die auf anonymisierten individuellen Verwaltungsdaten des Landes beruht.
- Der internationale Vergleich ermöglicht es, die positiven Bilanzen für Luxemburg zu bestätigen, die durch eine hohe Steigerung der Lebenserwartung mit 60 Jahren seit Beginn der 2000er-Jahre gekennzeichnet sind, wodurch es mittlerweile zu einem der fortschrittlichsten Länder innerhalb Europas geworden ist. Diese Entwicklung schreibt sich in die allgemeine Tendenz hin zu einer verbesserten Langlebigkeit von Senioren ein, was einen großen Fortschritt, zugleich aber auch eine Herausforderung im Zusammenhang mit der älter werdenden Bevölkerung darstellt.
- Die Analyse zeigt auch, dass das Sterberisiko ab 60 Jahren mit dem weiteren Alter exponentiell ansteigt und sich alle 6 Jahre verdoppelt. Das jährliche Sterberisiko steigt mit jedem weiteren Lebensjahr um etwa 12 %, ein Ergebnis, das es ermöglicht, die Unterschiede hinsichtlich der Sterblichkeit in entsprechende Abweichungen bei der Lebenserwartung umzurechnen.
- Die logistischen Modelle, deren Schätzungen auf den Mikrodaten der LMDP beruhen, heben einen ausgeprägten sozialen Gradienten hervor. Bei den luxemburgischen Ruheständlern und den Einwohnern, die eine längere berufliche Laufbahn in Luxemburg absolviert haben (der „Kernbevölkerung“ dieser Abhandlung), beträgt die Größenordnung der Unterschiede in der Lebenserwartung mit 60 Jahren zwischen den hohen und niedrigen Dezilen der Rentenverteilung 6 Jahre. Dieser Gradient ist hochsignifikant bei Männern und für die Gesamtheit der Periode zwischen 2005 und 2024 gleichbleibend, was vom Fortbestehen der sozialen Ungleichheiten bei der Langlebigkeit zeugt. Je nach Modell und untersuchter Bevölkerungsgruppe beträgt dieser Vorteil rund 5 bis 8 Jahre an Lebenserwartung, was die Bedeutung des sozialen Gradienten bei der Sterblichkeit bestätigt.
- Diese Ungleichheiten bei der Langlebigkeit stehen in direktem Zusammenhang mit den Ungleichheiten in der Rentenbezugsdauer. Bei den Männern der untersuchten Kernbevölkerung verbringen diejenigen, die die höchsten Renten beziehen, im Durchschnitt 5 Jahre mehr im Ruhestand als jene des niedrigsten Rentendezils, ein Ergebnis, das gleichzeitig aus einer höheren Lebenserwartung und einem etwas verzögerten Eintritt in den Ruhestand resultiert.
- Bei den Männern innerhalb einer breiteren Bevölkerungsgruppe (die ehemalige Grenzgänger, ansässige Ausländer, Remigranten, die in ihre Ursprungsländer zurückgekehrt sind, sowie Teilzeitarbeitnehmer in Luxemburg mit einschließt) bleibt der soziale Gradient mit einer durchschnittlichen Disparität von 4 bis 5,6 Jahren (je nach Modell) zwischen den jeweiligen Extremen der Rentendezile ebenfalls hoch.
- Bei den Frauen fällt der soziale Gradient, der mit der Höhe der Rentenbezüge in Verbindung steht, erheblich geringer aus und erreicht in diesen Modellen nicht das Niveau einer statistischen Relevanz. Allerdings steht der Arbeiter- und Handwerkerstatus im Zusammenhang mit einer signifikanten Übersterblichkeit, die sich in einem Nachteil in Höhe von 3 bis 4 Jahren an Lebenserwartung bei den Frauen äußert.
- Die beobachteten Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden vor dem Hintergrund unterschiedlicher Karriereverläufe interpretiert. Bei den Frauen der untersuchten Generationen können die individuellen Rentenbezüge unter Umständen stärker durch Karriereunterbrechungen, Teilzeitarbeit oder durch abgeleitete Rechte beeinflusst sein und damit die soziale Position weniger zuverlässig widerspiegeln als bei den Männern.
- Bei der portugiesischen Bevölkerung besteht unter ansonsten gleichen Umständen eine relative Untersterblichkeit, die bei den Männern 3 und bei den Frauen 7,6 zusätzlichen Jahren an Lebenserwartung entspricht. Bei Ruheständlern, die bei ihrer letzten Anstellung als Grenzgänger gearbeitet haben, lässt sich ebenfalls einen bedeutenden Vorteil von etwa anderthalb Jahren feststellen. Im Gegenzug geht der frühere Status als Arbeiter oder Handwerker oder, paradoxerweise, als Beamter auch unter Berücksichtigung der Rentenbezugshöhe mit einer verringerten Lebenserwartung von anderthalb bzw. zwei Jahren einher. Diese Ergebnisse müssen als rein statistische Koinzidenzen unter ansonsten gleichen Umständen und nicht als kausale Zusammenhänge interpretiert werden.
- Schließlich lässt sich ein Zusammenfall eines späteren Eintritts in den Ruhestand mit einer niedrigeren Sterblichkeit feststellen, aber dieses Verhältnis muss aufgrund möglicher Selektionseffekte in Verbindung mit der Gesundheit und vorherigen Karriereverläufen mit äußerster Vorsicht bewertet werden. Personen, die ihre berufliche Laufbahn verlängern, sind häufig jene, die schon davor einen besseren Gesundheitszustand aufgewiesen haben und weniger belastenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt gewesen sind